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son-10-04.htm; 01.2010
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Gedanken zum Reglement der NSS-Klassen
von Werner Quurck

Auf der WM in Pirna gab es ja einige Schwierigkeiten mit dem Regelwerk und seiner Auslegung. Im Internet habe ich mal das Wort „Rennwertformel” eingegeben und verschiedensten Formeln gefunden, aber wie man lesen kann, glücklich sind die „Großen” damit auch nicht. Die Formel für klassische Jachten kommt mit der Bewertung der Bauausführungen unserer Baubewertung recht nahe. Aber auch hier wieder das altbekannte große Problem des subjektiven Beurteilens der Bewerter/Schiedsrichter. Es herrscht auch hier die Meinung vor, daß doch das seglerische Können auf dem See den Sieger einer Regatta ermitteln soll und nicht nur die Formeln. Für mich gilt immer noch der alte Spruch, den ich mal an der Nordseeküste hörte: ”Der beste Steuermann steht immer an Land”. Was hier ja die Besserwisserei ausdrücken soll, ist bei uns Wirklichkeit. Wir stehen an Land und steuern unsere Jachten und auf See soll der Sieger ermittelt werden!

Die Baubewertung:

Hier soll der Erbauer den Nachweis führen, daß er all das, was der Bauplan hergibt, auch richtig und maßstabsgetreu auf dem Modell dargestellt hat und in welcher Qualität. Feststellen soll das eine Bauprüfungskommission und den einzelnen Kriterien entsprechend Punkte vergeben, max. 100 Punkte. Die Bauprüfungskommission bestand früher aus fünf Bewertern und das jeweils beste und schlechteste Ergebnis wurde gestrichen. Die restlichen drei Ergebnisse gemittelt und somit stand das Punkteergebnis fest. Diese Kommission wurde aus Personalmangel auf drei Bewerter reduziert, auch um die Kosten für den ausrichtenden Verein zu verringern.
In der A-Klasse sind fast nur noch Jachten am Start, die Nachbauten von Regattajachten der letzten Jahre sind, reine Zweckkonstruktionen. Was will man hier groß am Bau bewerten oder einen Rennwert einsetzen? Sie sind doch fast alle gleich gebaut.
Diese drei Bauprüfer geben nun ihr subjektives Urteil ab, welches von den Teilnehmern oft nur sehr schwer oder gar nicht akzeptiert werden kann.
Ich selbst habe es schon erlebt, daß eine Baukastenjacht nur 2 Punkte auf der Ergebnisliste weniger hatte als mein Modell. Wobei mein Modell vom Kiel bis zum Flaggenknopf ausschließlich auf meiner Werft entstanden ist. Dies ist keine Wertung gegen eine Baukastenjacht, sondern gegen die Bauprüfung. Setze ich mal für einen Baukasten ca. 300 Stunden an, so brauchte ich für meine Jacht über 2000 Arbeitsstunden. Dies kommt durch eine Bauprüfung überhaupt nicht zur Anerkennung. Für mich die Konsequenz, diese Art der Bauprüfung ganz abzuschaffen. Mein Vorschlag einer Bauprüfung geht dahin, daß die Modelle einer Kommission vorgestellt werden. Diese Kommission begutachtet nun das Modell, ob es vorbildähnlich gebaut ist. Diese Prüfung erfolgt nicht bei einer Regatta, sondern wird national vorab durchgeführt.
Die Antwort lautet: JA oder NEIN
Ein positives Ergebnis wird in den Meßbrief eingetragen und gilt nun für alle nachfolgenden Regatten. Ein negativ bewertetes Modell muß der Eigner nachbessern und dann bei nächster Gelegenheit der Kommission nochmal vorführen.

Das Wort „vorbildgetreu” mag ich überhaupt nicht, denn es bedeutet, daß ich ein Original nachbaue; wir aber bauen Modelle.
Ich meine, daß es immer subjektiv ist, was bei einer Bauprüfung herauskommt. Bei jeder neuen Bauprüfung bekommt man eine andere Punktzahl.
Denn nur was man mit dem Zollstock oder der Stoppuhr feststellen kann, ist objektiv.

Der Rennwert:

Hier wird aus dem Gewicht, der Wasserlinienlänge und der Segelfläche ein Rennwert errechnet und dieser fließt dann mit in das Ergebnis ein.
Das heißt, wenn eine Jacht z.B. zwei Mal als erste über die Ziellinie geht, weiß der Steuermann noch lange nicht, welchen Platz er erreicht hat. Bei den kurzen Törns die wir segeln, ist eine Vorgabe völlig überzogen. Vielleicht kann der Rennwert nach vier oder sechs Stunden ausgeglichen werden, aber nicht in einer Stunde, es sei denn man würde mit seinem Modell mit hohem Rennwert vielleicht drei Mal schneller sein, als eine Jacht mit kleinem Rennwert.

Bei den Regatten, bei denen ich als Organisator oder Teilnehmer dabei war, habe ich es noch nie erlebt, daß immer die gleiche Jacht als erste über die Ziellinie rauscht. Aus dieser Erfahrung halte ich einen Rennwert für verzichtbar.
Entscheidend sollte immer die Leistung auf der Regattastrecke sein. So hatte ich z.B. einmal einen 23sten Platz und in der Ergebnisliste stand ich dann durch den Rennwert auf Platz 46.
Die Regattastrecke sollte auch nicht bis ins kleinste Detail vorgeschrieben sein. Eine Vorgabe ist sicher notwendig, wie Bojen, Steg und Rettungsboot sowie Schiedsrichter, die gut mit dem Regelwerk vertraut sind. Aber auch die örtlichen Gegebenheiten sind zu berücksichtigen, die der Ausrichter einer Regatta hat.

Diese Ausführungen möchte ich gern zur Diskussion stellen. Ist es nicht möglich, unser schönes Hobby auf recht einfache Weise zu gestalten, ohne jeden „Tampen” genau vorzugeben? So weit wie in Xanten bei der Gaffelsegelregatta - wo wir nur den Start vorgeben und dann wird gesegelt - möchte ich hier nicht gehen. Die Teilnehmer, die immer am letzten Augustwochenende zu uns kommen, sind jedenfalls voll begeistert, wie stressfrei bei uns die Regatta verläuft. Natürlich geht so etwas bei einer Weltmeisterschaft nicht, aber etwas mehr Gelassenheit wäre schon wünschenswert.
Auf eine Resonanz zu meinem Beitrag würde ich mich freuen.
Meine e-Mail-Adresse lautet: wernerquurck@t-online.de


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