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Auslegerboot ...
Baubericht von Uli Schramm
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Vorwort
Ursprünglich sollte es ja einmal ein Katamaran werden. Aber auf der Suche nach geeigneten Plänen, Vorbildern und Fotos stieß ich im Internet auf einer "Multihull"-Seite auf die Beschreibung von sogenannten "Proa´s". Aus den Darstellungen über diese Auslegerboote sprach so viel Begeisterung und Herzblut, dass ich - gleichsam missioniert bzw. infiziert - mein ursprüngliches Vorhaben modifizierte, um nunmehr einen "Katamaran" mit zwei sehr unterschiedlich dimensionierten Rümpfen (nämlich "Rumpf" und "Ausleger") zu bauen.
Dieser "pazifische" Typ (Ausleger immer in Luv) unterscheidet sich übrigens vom "atlantischen"
Typ, wo der Ausleger immer in Lee ist. Das aufrichtende Moment wird hier folglich nicht durch das
Gewicht, sondern durch die Auftriebskraft des Auslegers gebildet. Die Gefahr des Kenterns ist
hier sicherlich geringer als beim pazifischen Typ - der Ausleger müßte dann schon unfreiwillig
zum U-Boot werden. Allerdings werden, da naturgemäß immer beide Schwimmkörper im Wasser sind,
auch nicht so hohe Geschwindigkeiten erreicht. Neben dem Urtümlichen, was diese Boote an sich
haben (immerhin werden sie in der Inselwelt der Südsee/Pazifik/Polynesien seit mehreren hundert
Jahren so gesegelt), hatten zwei weitere Eigenarten mein Interesse geweckt, bzw. meinen
Tüftel-Trieb herausgefordert:
Zum einen: Die Besegelung mit einem sogenannten "Krebsscherensegel", das mit seiner Dreiecksform
(ähnlich der "Concorde" bei den Flugzeugen) einen wesentlich höheren Wirkungsgrad (bis zu 1,5
fach) haben soll, als eine "herkömmliche" Bermuda-Hoch-Takelung ...
Zum andern: Die Art des Segelns und der Segel-Handhabung: Der Ausleger ist immer in Luv; bei einer "Wende" wird der Bug zum Heck, und das Boot segelt, nachdem die gesamte Takelung auf den neuen Bug ausgerichtet wurde, gleichsam "rückwärts" weiter, bis zur nächsten Wende bzw. Halse. Wenn man so will, hat hier jene Redewendung, nach der man durch Wende oder Halse auf den "anderen (neuen) Bug" geht, eine sehr wörtliche Bedeutung ...
Zum besseren Verständnis die nachfolgende Skizzen:Sicherlich gewöhnungsbedürftig für den "Normalsegler" ist das Manövrieren: Um eine Wende zu segeln, muß man abfallen, nicht anluven, für die Halse muß man anluven, nicht abfallen! "Faustregel": Um den Bug zu wechseln immer zunächst mal auf "Wind querab" gehen ... Aufgrund dieser doch etwas "umständlichen" Handhabung wird das fertige Modellboot wohl kaum geeignet sein, ernsthaft und konkurrenzfähig bei Regatten mitzusegeln. Aber, vielleicht wird´s ja trotzdem ein "Hingucker"?
Doch bevor ich anfing zu bauen, habe ich zunächst mal aus Pappe eine Art Vor-Modell erstellt, um zu sehen, ob und wie das mit der Segelsteuerung funktionieren könnte ...
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Bild 05: und Bild 06 Pappmodell für die ersten Gedanken Segel-Umsteuerung "über Kopf" |
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Rumpf
Der Bau von Rumpf ("Waka") und Ausleger ("Ama") ... ... stellt keine allzu großen Anforderungen an das Können des Modellbauers. Beide Schwimmkörper sind als Knickspanter konzipiert. Bug und Heck sind genau gleich. Der Rumpf (Trapez-Querschnitt), besteht im Prinzip aus drei Teilen: Boden und zwei Seitenteilen; der Ausleger (V-Querschnitt) sogar aus nur zwei breiten "Planken", die "unten" (am "Kiel") und an den "Spitzen" (vorne und hinten) miteinander verbunden und dann durch durch V-Spanten auseinandergespreizt werden.
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Bild 07: Der Rumpf im Rohbau | Bild 08: Der Ausleger im Rohbau | Bild 09: Das Schwert in der Mitte des Rumpfes; "vorne" und "achtern" je ein Ruder |
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Holzschwert
Ein Holzschwert - in der Form eines Kreis-Segmentes, nach vorne wie nach achtern symmetrisch - wird in der Mitte unter dem Rumpf angebracht. Dieses Schwert hat noch eine hydrodynamische Besonderheit: Da für das Boot Luv- bzw. Leeseite immer gleich sind, ist das Schwert nur nach Luv hin profiliert ("gewölbt"), nach Lee hin "platt". Dies bewirkt (zumindest theoretisch) einen Sog/Auftriebs-Effekt in Richtung Luv, der der Abdrift zusätzlich entgegenwirken soll.
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Ruder- und Segelansteuerung
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Bild 11, Bild 12, Bild 13
Der Segelfußpunkt wird von "links" nach "rechts" gezogen, gleichzeitig ändert sich die "Kipp"-Ausrichtung des Mastes. |
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Schwimm-Test
Nachdem alles - zunächst mal provisorisch eingebaut - einigermaßen zu meiner Zufriedenheit funktionierte, wurde das Deck angebracht, alles lackiert, und dann ging´s zum Teich, zu einem ersten Schwimm- und Trimmtest. Die Lage im Wasser bzw. Gewichtstrimmung war so weit in Ordnung. Da allerdings so gut wie kein Wind wehte, konnte ich noch keine wirklichen Segelversuche machen. Erst recht das Segeln mit "fliegendem" Ausleger mußte darum zunächst mal vertagt werden ...
Der Akku zur Stromversorgung ist normalerweise im "Haupt"-Rumpf ("Waka") eingebaut; bei größeren Windstärken kann er jedoch auch als zusätzlicher Ballast im Ausleger untergebracht werden. Dieser taucht dann (ohne Wind) etwa 1 cm tiefer ins Wasser ein, wird aber durch den stärkeren Wind entsprechend auch wieder "angehoben".
Wieder in der Werkstatt zurück, wurden die nächsten Verfeinerungen bzw. Verschönerungen vorgenommen: Der Mast und die Segelstengen (alles aus Kohlefaser-Angelruten) bekamen einen Holz-Lasur-Anstrich, die Beschläge aus Alublech wurden schwarz gestrichen und die Lukendeckel bekamen eine Dichtung aus Fenster-Abdichtungsgummi.
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Jungfernfahrt
Einige Tage später ging´s wieder zum Teich; es herrschte etwas mehr Wind, so dass ich nun eine "echte" Jungfernfahrt machen konnte. Den Ausleger "fliegen" zu lassen, gelang schon ganz gut, erfordert aber sehr viel Aufmerksamkeit und Konzentration - besonders, wenn das Boot durch das Ruder gesteuert wird, das mit dem (ungewohnten) "linken" Steuerknüppel des Senders "verbunden" ist. Da macht man schnell mal eine Lenkbewegung in die falsche Richtung, und dann wird´s richtig gefährlich. Wie schnell das Boot wirklich ist, konnte ich noch nicht so recht austesten, es fehlten bis jetzt Vergleichsmöglichkeiten in Form von anderen Booten auf dem Teich. Aber das wird sich sicherlich mit den nun kommenden Frühlings-Sonntagnachmittagen ändern ...
An einem weiteren Test-Tag ist es dann passiert: Das Boot, bei etwa 3-4 Windstärken echt "gut drauf": fliegender Ausleger, gute Geschwindigkeit, aber, in einem Moment der Unaufmerksamkeit, ist es dann doch zum ersten mal durchgekentert. Es brauchte etwa eine endlose 3/4 Stunde, bis es kieloben und segelunten ans rettende Ufer getrieben wurde. Tröstliche Erfahrung: Wenigstens ist es so "dicht" geblieben, dass es nicht gesunken ist. Allerdings mußte ich doch einiges an Trockenlegungsarbeiten leisten, bevor es wieder einsatzfähig war.
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Kenter-Bremse
Aufgrund dieser Erfahrung habe ich dann versucht, noch so etwas wie eine Kenter-Sicherung
(oder wenigstens Kenter-"Bremse") zu konzipieren – und zwar mit Hilfe eines
U-Boot-Lagereglers.
Der erste Gedanke: Mit Hilfe des Lagereglers direkt in die Segelsteuerung einzugreifen, erwies
sich als zu kompliziert. Es genügt nämlich nicht, den Regler einfach zwischen Segelwinde und
Empfänger zu schalten, da ein voll angezogenes Segel (= "Voll-Ausschlag" des entsprechenden
Hebels am Sender) durch den Lageregler nicht einfach "rückgängig" gemacht werden kann. Auch ein
direkter Eingriff in die Segelschot durch eine Art Trimm-Servo, das vom Lageregler gesteuert
wird, erwies sich aus Platz-Gründen als nicht praktikabel. Der zweite Gedanke: Die Neigung des
Mastes durch den Lageregler zu steuern, schien mir da erfolgversprechender zu sein. Ab einer
gewissen Schräglage - sagen wir mal etwa 200 - soll der Mast sich nach Lee neigen, so daß die
effektive Segelfläche sich verkleinert (ohne dass der effektive Hebelarm mit dem aufrichtenden
Gewicht des Auslegers sich weiter verkürzt) und das Boot nicht noch weiter krängt. Diese Neigung
müßte durch ein "Nachgeben" der Mastabstützung zu erreichen sein. Die "Länge" dieser Abstützung
würde dann durch eine vom Lageregler gesteuerte Segelwinde bzw. Seiltrommel bestimmt. Mit dem
Lageregler kann ich recht genau den Krängungswinkel einstellen, ab dem der Mast sich neigen soll,
so dass ich zunächst den Ama „fliegen“ lassen kann, und die „Sicherung“
erst bei zu großer Krängung in Aktion tritt: Der luvseitige Stützmast wird dann einfach
teleskopartig verlängert bzw. ausgefahren, der Mast neigt sich dadurch nach Lee, die effektive
Segelfläche verkleinert sich durch diese Neigung und die Krängung geht zurück.
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Zur Veranschaulichung ein paar Bilder
Das Ganze in Prinzip-Skizzen:
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Und nun der Praxis-Test
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Weitere Veränderungen
Bei weiteren Testläufen habe ich festgestellt, dass es doch recht kompliziert ist, zwei Ruder „vorne“ und „achtern“ mit zwei getrennten Steuerknüppeln zu bedienen und nach jeder Wende bzw. Halse neu überlegen zu müssen, welches Ruder nun „gilt“ und in welche Richtung welcher Ruderknüppel am Sender betätigt werden muß, um in die gewünschte Richtung zu fahren. In mindestens 30% der Fälle bewege daher irrtümlich entweder das „falsche“ Ruder, oder, wenn das „richtige“, dann jedoch zunächst in die falsche Richtung. Und trotz „Kenterbremse“ ist es oft recht riskant (und nervenaufreibend), wenn man bei fliegendem Ama eine falsche Ruderbewegung macht. Als Abhilfe habe ich folgende Veränderung vorgenommen: Beide Ruderservos werden von einem Kanal angesteuert, wobei ihre Lenk-Richtung gegenläufig ist. Dies bewirkt folgendes: Durch die Fahrtrichtungsänderung "vorwärts"-"rückwärts" ändert sich zwar auch weiterhin Backbord und Steuerbord, jedoch bleibt Ausrichtung "nach Luv" (Richtung Ama) bzw. "nach Lee" (vom Ama weg ..) - unabhängig von der Fahrtrichtung bestehen. Ich denke, diese "Eselsbrücke" wird das Steuern dann doch ein wenig erleichtern.
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Bild 29: Vorbereitungen zur ersten Fahrt auf einem größeren Gewässer ... |
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Bild 30: und ab geht´s ... |
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Bild 31: Haupsache, der Wind kommt immer von der Auslegerseite her ... |