rc-04.png   rc-00.png ABC für Scale-Modellsegler mini-sail e.V. icon-ms-99nr.png
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4. Bootsständer

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Bild 4.1:
Ein entsprechend den Angaben aus vielen Baukästen gefertigter Bootsständer, hier durch Kinderhand reichlich „verziert“. Diese Ausführung kann man allenfalls als eine Notlösung für kleine und leichte Modelle mit einem langen fest installierten Schwert akzeptieren.
Spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem der Rumpf fertig beplankt ist, wird ein Bootsständer für das Lagern des Modells und vor allem für die weiterführenden Arbeiten benötigt. Die Aufgabe eines Bootsständers ist eine stabile und sichere Lagerung des Modells sowohl beim Transport im Auto als auch beim Abstellen am Ufer. Beim Bau muss er dem Modell auch bei kraftintensiven Arbeiten einen sicheren Halt bieten. Gleichwohl sollte er das Tragen des Modells, möglichst auch im aufgetakelten Zustand, ermöglichen. Der Bootsständer muss also sehr stabil und kippsicher gebaut und mit ausreichend dimensionierten Tragegriffen versehen werden. Die aus den Baukästen bekannten Bootsständer haben meistens die Form wie in Bild 4.1 und genügen diesen Anforderungen kaum.

Deutlich besser geeignet ist die auf dem Bild 4.2 abgebildete Konstruktion. Zwei aus Brettern verschraubte und verklebte Kopfplatten werden über vier eingeharzte Längsstreben aus Rundholz miteinander verbunden. Die richtige Dimensionierung eines Bootsständers ist für seine Eigenschaften prägend. Die Länge des Bootsständers (das ist die Entfernung der Kopfplatten voneinander) sollte ca. ein Drittel der Rumpflänge betragen, und der Gewichtsschwerpunkt des Modells sollte möglichst genau in der Mitte des Bootsständers liegen. Die Breite des Bootständers sollte mindestens um 40 mm größer gewählt werden als die breiteste Stelle des Modells. Die Höhe bzw. die Ausschnitte in den Kopfplatten sollten so bemessen sein, dass sich bei waagerechter Lage der Wasserlinie die Oberkante des Ständers zwischen der Wasserlinie und der Deckskante des Modells befindet. Gleichzeitig sollte sich der unterste Punkt des Kiels möglichst tief befinden, jedoch nicht tiefer als ca. 10 mm oberhalb der Unterkante des Bootsständers.

Die Basis der Kopfplatten bilden zwei 18 mm dicke Bretter aus Fichte oder Kiefer und stammen aus der Restekiste im Baumarkt. Sie werden mit zwei unten angeordneten Querstreben aus einer Leiste mit einem Querschnitt von ca. 50 x 10 mm mit wasserfestem Weißleim verklebt und zusätzlich verschraubt. Verwenden Sie bitte kein Sperrholz oder etwa eine Hartfaserplatte für die Kopfplatten. Der Ständer wird dadurch nicht stabiler und Sie müssten dieses sinnlose zusätzliche Gewicht jedes Mal mittragen.

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Bild 4.2:
Dieser Bootsständer ist insbesondere für Langkieler deutlich besser geeignet. Zwei aus Brettern verschraubte und verklebte Kopfplatten werden über vier eingeharzte Längsstreben aus Rundholz miteinander verbunden. Für die Kippsicherheit ist es wichtig, dass das Modell möglichst tief im Ständer ruht und dass der Ständer eine angemessen große Breite aufweist.

Abhängig von der Position des Ständers längsschiffs werden in die Kopfplatten mittig entsprechende Ausschnitte mit einer Stichsäge eingesägt. Ich verwende immer die Spantschablone eines der Kopfplatte naheliegenden Spants und säge die Spantkontur umlaufend um ca. 5 mm größer aus der Kopfplatte aus. Die Passgenauigkeit des Ausschnitts wird durch das Anlegen an der entsprechenden Stelle des Rumpfs überprüft und ggf. korrigiert. Damit die Rumpfbeplankung durch die sägeraue Kante der Kopfplatte nicht beschädigt wird, legt man auf die Kante einen Lappen. Der Ausschnitt sollte der Kontur der Bordwand optimalerweise umlaufend mit einer Genauigkeit von +/- 2 mm entsprechen. Der Ausschnitt wird ggf. angepasst, glatt geschliffen, und die Kanten der Bretter werden leicht verrundet.

Die Längsstreben werden gemäß der gewählten Ständerlänge von einem Holzrundstab mit einem Durchmesser von mindestens 20 mm abgesägt. Aufgrund seines geringeren Preises verwendete ich bisher vorzugsweise einen Besenstiel (Durchmesser ca. 23 mm) für die Querstreben. Zur Aufnahme der Querstreben sind in die Kopfplatten entsprechende Durchgangslöcher zu bohren. Am sinnvollsten und genauesten ist es, wenn man die beiden Kopfplatten sowohl mit ihren Unterkanten als auch mittig ausrichtet, mit Schraubzwingen zusammenhält und gemeinsam durchbohrt.

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Stauraum im Bootsständer:

Der Bootsständer wird auf einer ebenen Unterlage mit Epoxydharz verklebt und mit mindestens fünf Anstrichen mit verdünntem Polyurethanharz G4 oder G8 versehen. Die Kanten der Kopfplatten, die mit dem Schiffsrumpf in Berührung kommen, werden mit Streifen eines selbstklebenden, mindestens 8 mm dicken Schaumstoffs beklebt.
Der Bootsständer wird mit zwei aus Tragegurten gefertigten Henkeln vervollständigt. Die Länge der Gurte muss so bemessen werden, dass das Modell mit dem Ständer wie eine Einkaufstasche getragen werden kann. Die Schnittkanten der Gurte werden mit einer Feuerzeugflamme verschmolzen, die Gurte einmal umgeschlagen und außen an die Kopfplatten angenagelt.

Wegen seiner rustikal massiven Form nannte meine aus Sachsen stammende Frau meinen ersten Bootsständer „Hitsche“. In Sachsen versteht man darunter einen niedrigen, grob gearbeiteten stabilen Hocker (Fußbank). Diese Bezeichnung hat mich zu einer Belastungsprobe inspiriert, die mittlerweile bei mir zu einer Standard-Testmethode für Bootsständer geworden ist. Bisher haben alle Probanden meine ca. 80 kg Lebendgewicht ausgehalten und konnten somit auch für die wesentlich weniger wuchtigen Modelle für tauglich erklärt werden.


Viel Erfolg dabei wünschen
Borek Dvořák

Bernhard Reimann
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