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Rumpf laminieren
1723/1724/1725/1726/1727/1728/1730/1731 -
Abgeschickt von [Frank Först] am 21 Juli, 2008 um 21:55:44
Hallo Schiffsmodellbauer,
ich habe jetzt den Rumpf der Pippi fertig beplankt und gespachtelt. Länge ca. 1.00m Sollte ursprünglich ein Holzschichtrumpf werden. Da ich aber zum ersten Mal einen Holzrumpf beplankt habe und dazu gleich einen Spitzgatter ist das im Heckbereich etwas schief gegangen. Im Bugbereich bin ich zufrieden. Ein Spiegelheck hätte es für den Anfang auch getan.
Zusätzlich habe ich die Planken in Wasser aufgeweicht (anschließendes Schrumpfen nach dem Trocknen), im nachhinein wäre das Biegen über Dampf besser gewesen, hab ich zumindest gelesen.
Diesen möchte ich jetzt mit Glasfasergewebe, Köperbindung 163g/m² laminieren. Bei Gewebe kann ich sowohl Epoxyd- als auch Polyesterharz verwenden. Anschließend möchte ich Abreißgewebe auflegen.
Leider habe ich in meinem ganzen Leben noch keinen Rumpf laminiert und will den gebauten Rumpf auch nicht versauen. Dafür habe ich mir extra das Buch "Laminieren leicht gemacht" gekauft. Dort habe ich schon viel gelernt, aber ein Erfahrungsbericht oder ein paar wertvolle Tipps auf was ich speziell achten muß und wie ich am besten vorgehe würde ich gerne noch zusätzlich lesen. Wer kann und will mir weiterhelfen?
Wie werden die Gewebe aufgelegt, kann ich den Rumpf komplett mit einem Gewebe laminieren oder muß ich mehrere Teile benutzen?
Wie berechne ich die Harzmenge, die für das laminieren notwendig ist?
Ich dachte beim Harz an eine Topfzeit von 40 Minuten.
Viele Grüße aus Mutterstadt,
Frank Först

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Abgeschickt von [Peter Schuster] am 22 Juli, 2008 um 15:43:49
Antwort auf: Rumpf laminieren von Frank Först am 21 Juli, 2008 um 21:55:44:
Hallo Frank,
schau doch mal auf dieser Seite unter Modellbau/Baupraxis bei Brigantine "Askja" nach, da hab ich meine Methode des Laminierens beschrieben.
Auf jeden Fall Epoxydharz verwenden auch wenn es teuerer ist als Polyesterharz (40-Minuten-Typ). Ich beziehe es von Conrad-Elektronik, da dort preiswert, sofort und vor allem frisch erhältlich. Bei Harzen älter als ein Jahr Lagerzeit zuerst mal testen ob dieses noch aushärtet. Wenn klebrige Stellen übrig bleiben - Finger (Harz) weg.
Zum Abwiegen der beiden Komponenten verwende ich eine Briefwaage, Schätzen kann sehr daneben gehen!
Dabei achte ich darauf, daß die Matte im trockenen Zustand glatt, ohne Falten oder Spannungen über dem Rumpf aufliegt. Dann das Harz mit einem Kuchenpinsel (aus der Küche übriggeblieben) die Matte vorsichtig durchtränken. Ist nur am Anfang noch etwas rutschig, klebt aber immer mehr alles (halbwegs) fest. Am Schiff, an den Fingern, an den Hosen, auf dem Boden und sonst wo, deshalb immer genügend Aceton und Papiertücher griffbereit halten. Und wirklich immer sofort entfernen.
Wichtig ist dabei die Verarbeitgung bei Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit (ca. 50 bis 70%), also normale angenehme Aufenthalts-Werte.
Trocknen bei möglichst hoher Temperatur mit einem "Trockenofen" aus Styropor oder alte Decken über ein Holzgestell. Mit einem Heizlüfter geht das dann am einfachsten, dabei eine Zwangsentlüftung übrig lassen.
Das Harz wird mit steigender Temperatur (max 180°C)immer dünnflüssiger und überschüssiges Harz tropft dementsprechend ab. Dringt aber auch tief in das Holz ein, und kommt dabei der Regel immer näher: Weniger Harz bedeutet weniger Gewicht bei höherer Festigkeit.
Für das beschriebene Modell habe ich insgesamt, bei mehreren Ansätzen, ca. 400 Gramm verarbeitet. Dabei waren dann mind. 50 g wieder abgetropft.
Nach ca. 3-4 Std. sollte das Harz annähernd grifffest geworden sein, dann kann die Heizung ausgeschaltet oder reduziert werden.
Die Aushärtung (Bildung langer Mölekülketten) dauert etwa 24 Std.
Das heute käufliche Epoxydharz ist nicht mehr direkt gesundheitsschädlich, aber trotzdem auf eine gute Lüftung sollte man achten. Unbedingt Schutzbrille tragen.
viel Erfolg dabei
Peter

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Abgeschickt von [Borek Dvořák] am 23 Juli, 2008 um 09:53:02
Antwort auf: Rumpf laminieren von Frank Först am 21 Juli, 2008 um 21:55:44:
Hallo Frank,
das Wesentliche hat bereits Peter geschrieben, ich möchte nur noch einige Kleinigkeiten hinzufügen:
1)Schicke bitte ein Foto vom Heck Deines Modells. Man ist zu sich selbst immer viel zu streng, möglicher Weise ist es doch nicht so schlimm, wie es Dir vorkommt. Dann könntest Du nämlich von innen zwischen den Spanten laminieren, was mir einfacher vorkommt.
2)163g/m² ist viel zu dick und schwer, 40 bis 80g/m² reichen vollkommen. Es geht dabei nicht um das Gewebegewicht, sondern um das Harzgewicht, was das (unnötig) dickere Gewebe zusätzlich aufnimmt.
3)Für das laminieren von innen (in Streifen) reicht die Leinenbindung, für die Außenschicht ist (so wie Du es vor hast) die Köperbindung günstiger. Glasfasergewebe in Köperbindung habe ich preiswert bei ebay gesehen, 75g/m² bzw. 86g/m², ab 5m².
Viele Grüße
Borek Dvořák

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Abgeschickt von Christian (Yeti) am 24 Juli, 2008 um 17:40:06:
Antwort auf: Re: Rumpf laminieren von Peter Schuster am 22 Juli, 2008 um 15:43:49:
Hallo Frank, die benötigte Harzmenge entspricht bei Glasfasergewebe (nicht Matte) in etwa dem Gewicht des Gewebes: Für 100g Gewebe brauchst du also auch etwa 100g Harz-Härter Gemisch.
Wenn du Epoxidharz verwendest, sollte das Mischungsverhältnis möglichst exakt eingehalten werden, da ansonsten überschüssige Mengen einer der beiden Komponenten keinen Reaktionspartner finden und die Mischung nicht vollständig aushärtet. Es gibt z.B. bei ebay kleine Digitalwaagen, die auf 1/10g genau arbeiten und die nicht viel kosten.
Harzsysteme mit einer Topfzeit von 40 Minuten härten in der Regel auch bei Raumtemperatur, eine Nachhärtung bei höheren Temperaturen (Temperung) macht das Laminat hinterher weniger spröde. Ich halte eine Temperung in deinem Fall nicht unbedingt für erforderlich.
Zur Vorgehensweise: Ich trage zunächst das Harz auf das Bauteil auf und lege dann das Gewebe auf. Um das faltenfrei hinzubekommen, braucht man ggf. noch zwei helfende Hände, aber dafür ist das Risiko geringer, daß du hinterher Luftblasen unter dem Gewebe hast. Das Gewebe saugt dann das Harz von unten auf und du brauchst nur noch mit dem Pinsel etwas tupfen, wo das Gewebe nicht vollständig durchtränkt ist. Dabei aber sparsam mit weiterem Harz umgehen! Die Festigkeit kommt vom Gewebe und nicht vom Harz. Wenn du mehr Harz verwendest als zum Tränken erforderlich ist, dann ist das nur unnötiges Gewicht.
Auch wenn Epoxidharz nicht so stark riecht wie Polyesterharz, ist es dennoch gesundheitsschädlich!!! Achte daher auf jeden Fall auf eine gute Belüftung und auf Hautschutz (Vinylhandschuhe, keine Latexhandschuhe!) und evtl. eine Schutzcreme (Arretil).
Gruß Christian

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Abgeschickt von [Frank Först] am 26 Juli, 2008 um 17:01:00
Antwort auf: Re: Rumpf laminieren von Christian (Yeti) am 24 Juli, 2008 um 17:40:06:
Hallo Modellbaukollegen,
vielen Dank für die Info´s, die ich mit Aufmerksamkeit gelesen haben.
Nach meinem Verständnis fasse ich zusammen:
Die Harzmenge richtet sich nach dem Gewicht des Gewebes. 86g/m² bedeutet 86g Harzmenge.
Da ich den Rumpf vor Auflegen des Gewebes von außen mit Harz bestreiche und der Rumpf aus Holz wohl erst einiges Harz aufsaugt, würde ich doch noch ein paar Gramm zusätzlich anrühren.
Das Gewebe (empfohlen zwischen 40 u. 80g/m²)wird vollständig in einem Stück auf den Rumpf gelegt und mit einem Pinsel (Rolle kommt wohl nicht zur Verwendung) antupfen. Das vorhanden Harz auf dem Bauteil ist auschreichend.
Wichtig ist, daß keine Blasen entstehen und das Gewebe überall anliegt. Bei Unterschneidungen im Heckbereich werde ich um zuschneiden nicht herumkommen. Das werde ich aber sehen. Die Kanten werde ich soweit wie möglich abrunden, falls dies nötig ist.
Wie glatt das Gewebe geworden ist sehe ich, wenn es trocken ist. Zu Abreißgewebe habe ich keine Hinweise gefunden.
Vielleicht muß ich den Rumpf nach dem laminieren nochmal spachteln und schleifen. Ich denke nicht, daß der Rumpf nach dem laminieren für den Farbauftrag fertig ist.
Wahrscheinlich verwende ich doch noch Abreisgewebe.
Als Harz wurde Epoxyharz empfohlen.
Persönliche Schutzausrüstung ist sehr wichtig.
Auf ein Temperung bei einer Lage Gewebe mit 86g/m² kann verzichtet werden.
Innen wird zwischen den Spanten Gewebe mit Leinenbindung verwendet.
Hoffenlich wird mein Rumpf nicht zu schwer.
Laut Herrn Hoppe darf der Rumpf 5,5 bis 6kg wiegen. Ich habe ihn nach den Plänen von Willi Hoppe gebaut.
Freunliche Grüße aus Mutterstadt.

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Abgeschickt von Christian (Yeti) am 28 Juli, 2008 um 11:55:10:
Antwort auf: Re: Rumpf laminieren von Frank Först am 26 Juli, 2008 um 17:01:00:
: Die Harzmenge richtet sich nach dem Gewicht des Gewebes. 86g/m² bedeutet 86g Harzmenge.
: Da ich den Rumpf vor Auflegen des Gewebes von außen mit Harz bestreiche und der Rumpf aus Holz wohl erst einiges Harz aufsaugt, würde ich doch noch ein paar Gramm zusätzlich anrühren.
Ja, auf jeden Fall! Die 1:1 - Regel gilt nur für das Gewebe. Wenn der Untergrund viel Harz aufsaugt, dann brauchst du natürlich auch mehr Harz.
: Das Gewebe (empfohlen zwischen 40 u. 80g/m²)wird vollständig in einem Stück auf den Rumpfgelegt und mit einem Pinsel (Rolle kommt wohl nicht zur Verwendung) antupfen. Das vorhanden Harz auf dem Bauteil ist auschreichend.
Du hast dann genug Harz aufgetragen, wenn das Gewebe überall durchtränkt ist. Bei Glasfasergewebe sieht man das aber sehr gut, weil trockene Stellen weiß bleiben und die getränkten Stellen durchsichtig (je nach Harzsorte).
: Wichtig ist, daß keine Blasen entstehen und das Gewebe überall anliegt. Bei Unterschneidungen im Heckbereich werde ich um zuschneiden nicht herumkommen. Das werde ich aber sehen. Die Kanten werde ich soweit wie möglich abrunden, falls dies nötig ist.
Gewebe in Köperbindung läßt sich gut auf gewölbte Oberflächen drapieren, das sollte eigentlich keine Probleme bereiten.
: Wie glatt das Gewebe geworden ist sehe ich, wenn es trocken ist. Zu Abreißgewebe habe ich keine Hinweise gefunden.
Abreißgewebe ist dafür da, die Oberfläche zu schützen und aufzurauhen, sowie, um überschüssiges Harz aus dem Laminat aufzunehmen. Wenn du das Abreißgewebe entfernst, dann hast du eine rauhe Oberfläche, auf der du weiterarbeiten kannst (Füller, Spachtel, weitere Gewebelagen auflaminieren, Klebungen,...
: Vielleicht muß ich den Rumpf nach dem laminieren nochmal spachteln und schleifen. Ich denke nicht, daß der Rumpf nach dem laminieren für den Farbauftrag fertig ist.
: Wahrscheinlich verwende ich doch noch Abreißgewebe.
(An-)Schleifen mußt du die Oberfläche vor dem Lackieren so oder so.
: Als Harz wurde Epoxyharz empfohlen.
: Persönliche Schutzausrüstung ist sehr wichtig.
: Auf ein Temperung bei einer Lage Gewebe mit 86g/m² kann verzichtet werden.
Wenn du ein Harzsystem mit einer Topfzeit von 40 Minuten verwendest, vermutlich schon. Langsamhärtende Harze (mehrere Stunden Verarbeitungszeit) sind ohne Temperung hingegen in der Regel sehr spröde, schnelle Harzsysteme (<30 Minuten) kommen zum Teil ganz ohne Temperung aus
: Innen wird zwischen den Spanten Gewebe mit Leinenbindung verwendet.
Nimm auch dafür ruhig Gewebe mit Köperbindung. Das läßt sich gut drapieren, muß nur nach dem Zuschneiden etwas vorsichtiger behandelt werden, da es sich auch leichter verzieht.
Gruß Christian

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Abgeschickt von [Frank Först] am 08 August, 2008 um 17:36:00
Antwort auf: Re: Rumpf laminieren von Borek Dvořák am 23 Juli, 2008 um 09:53:02:
Hallo Borek,
ich habe den Rumpf schon gespachtelt, vor allem im Heckbereich. Hier ist mir die Rundung nicht so gelungen.
Da der Rumpf mit Mahgoni beplankt ist, würde ich ihn nur mit Gewebe von ca. 40g/m² laminieren, zum abdichten.
Nur finde ich bei ebay oder r&g keine Körpergewebe von ca. 40g/m². Hast Du einen Tip für mich?
Gruß Frank

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Abgeschickt von [Borek Dvořák] am 12 August, 2008 um 06:34:21
Antwort auf: Re: Rumpf laminieren von Frank Först am 08 August, 2008 um 17:36:00:
Hallo Frank,
das leichteste Köpergewebe das ich kenne, ist 75g/m² schwer (ebay). Köper ist für gewölbte Flächen besser geeignet als Leinen. Die Empfehlung für 40g/m² Leinen gilt eher für den Fall, falls man von innen in Streifen zwischen den Spanten laminiert (hier kommt es auf eine glatte Oberfläche nicht so an). Das hat Christian aber schon ausführlich beschrieben.
Viele Grüße
Borek Dvořák
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